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Corona-Skandal in Tirol: Spur zu ÖVP

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Hotelier und Politiker Hörl vom Wirtschaftsbund soll interveniert haben

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2 Innenpolitik Neue Freie Zeitung Foto: NFZ Andreas Ruttinger andreas.ruttinger@fpoe.at AUS DER REDAKTION Corona hat meinen geplanten Kurzurlaub in Istrien um 14 Tage „Heimquarantäne“ verlängert. Was hier sofort auffällt, ist, dass die Menschen das Virus um einiges ernster nehmen als die Österreicher, wie ich in Telefonaten mitbekommen habe. Corona ernst nehmen Da ist mir die Forderung des Kärntner FPÖ-Chefs Gernot Darmann vom Montag ins Auge gesprungen, dass in den offenen Geschäften Desinfektionsspender aufgestellt werden sollen. Das ist in Istrien seit Inkrafttretens der verschärften Maßnahmen (hier „Phase 3“ genannt, was auf einen durchdachten Seuchenplan schließen lässt) schon längst der Fall. Vor den Geschäften wacht ein Mitarbeiter nicht nur darauf, dass nur eine bestimmte Zahl an Kunden den Laden betritt, sondern auch darauf, dass diese ihre Hände mit dem bereitgestellten Desinfektionsmittel einreiben. In Supermärkten werden zudem noch Plastikhandschuhe an die Kundschaft verteilt. In den Geschäften gilt dann wirklich der Slogan: Der Kunde ist König. Keine Gedränge vor den Regalen, keines vor den Kassen und schon gar keine Hamsterkäufe. Das gesamte Sortiment inklusive Klopapier gibt’s hier – anscheinend im Gegensatz zu Österreich – in Hülle und Fülle. Und es wird Abstand gehalten. Nicht einen, sondern zwei Meter rät die Regierung in Zagreb, und selbst die eingefleischtesten Istrier halten sich dran. Es liegt wohl an der Nähe zu Italien. Das Drama beim Nachbarn geht in Istrien wirklich jedem unter die Haut, weshalb die Schutzmaßnahmen auch so penibel eingehalten werden. Corona in Tirol: Wenn Gier G Immer mehr Fakten weisen darauf hin, dass der Infektionsherd Ischgl ign Der Tiroler Skiort Ischgl ist durch die Corona-Pandemie weltweit noch bekannter geworden, als er durch sein touristisches „Wintersport-Ballermann“-Angebot bisher war. Allerdings kann von Werbung keine Rede sein. Ischgl steht – vor allem in Skandinavien – für einen folgenschweren leichtsinnigen Umgang mit der Virusgefahr. Schon am 5. März war den Behörden in Island klar: Ischgl ist ein Corona-Hochrisikogebiet. In Tirol wiegelte man da noch ab und sah keine gesicherten Erkenntnisse dafür, dass sich die betroffenen Urlauber im Paznauntal infiziert hätten. Doch die Zahlen aus Skandinavien sind alarmierend: 265 von 785 erkrankten Dänen und gar 459 von 907 Norwegern wurden mit Stand 14. März auf den Infektionsherd Ischgl zurückgeführt. Tiroler Flucht nach vorne Der Tiroler Gesundheits-Landesrat Bernhard Tilg (ÖVP) zog mit einem skurrilen Auftritt in der ZIB2 vom 16. März den Zorn auf sich, nachdem er gebetsmühlenartig wiederholt hatte, die zuständigen Behörden hätten „alles richtig gemacht“. Aktuell glaubt man auch in der Tiroler Landesregierung nicht mehr, dass alles optimal gelaufen sei, sucht die Fehler aber woanders. Am Montag schaltete man die Staatsanwaltschaft gegen einen Ischgler Betrieb ein, der eine schon am 29. Februar positiv getestete Mitarbeiterin einfach nach Hause geschickt, die Infektion aber nicht bei den Behörden gemeldet haben soll. Kritiker sehen darin den Versuch einer Flucht nach vorne. SPITZE FEDER Denn immer mehr Informationen kommen ans Licht, die zeigen, dass die Probleme auch der in Tirol politisch fast alles beherrschenden ÖVP bekannt gewesen sein müssen. Geleakte SMS-Nachrichten des Obmanns des Tiroler ÖVP-Wirtschaftsbunds und Nationalratsabgeordneten Franz Hörl an den Betreiber des mittlerweile berüchtigen Après-Ski-Lokals „Kitzloch“ vom 9. März legen diesen Verdacht nahe: „Sperre Dein Kitz Bar zu – oder willst Du schuld am Ende der Saison in Ischgl u eventuell Tirol sein“, schrieb Hörl am 9. März – jenem Tag, an dem bekannt wurde, dass ein Mitarbeiter des Lokals zumindest 15 weitere Personen angesteckt haben soll. Doch es dauerte weitere vier Tage, bis das gesamte Paznauntal unter Quarantäne kam. ÖVP-Mann mit Eigeninteressen Hörl brachte sich in der Sache wohl nicht nur als Politiker, sondern vor allem als Touristiker ein. Er ist bei den Bergbahnen im Zillertal in verschiedenen Funktionen tätig und zudem Geschäftsführer des im Familienbesitz stehenden Hotels „Gaspingerhof“ in Gerlos. Auch im Zillertal wächst der Verdacht, dass die Behörden zu spät Stammtisch im Corona-Jahr 2020. Fotos http://images.paznaun-ischgl.com/de/ischgl/Ischgl1 Keine Partys, sondern „Licht aus“. Der auch im Ausland, wo die Gefahr viel frü reagiert haben könnten. In mehreren Gastronomiebetrieben – darunter auch Hörls Hotel – sind Corona-Fälle aufgetreten. Touristen werden dringend ersucht, sich bei den Behörden zu melden. Gesundheit aufs Spiel gesetzt Freiheitliche Politiker fordern in dieser Sache Aufklärung. Sie vermuten, dass Hörl bei den Behörden interveniert haben könnte, um die Schließung von Lokalen und Skigebieten hinauszuzögern. Man habe „nicht nur in Ischgl, sondern auch im Zillertal schon seit IMPRESSUM Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz Medieninhaber (Verleger) und Herausgeber: Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) – Die Freiheitlichen, Bundesparteileitung, Friedrich-Schmidt-Platz 4/3a, 1080 Wien; Freiheitlicher Parlamentsklub, Dr. Karl Renner-Ring 3, 1017 Wien Geschäftsführung: Ing. Mag. Joachim Stampfer Geschäftsführung, Redaktion, Verwaltung: Friedrich-Schmidt-Platz 4/3a, 1080 Wien Tel.: 01 512 35 35 0, Fax: 01 512 35 35 9 E-Mail Redaktion: redaktion.nfz@fpoe.at E-Mail Verwaltung: jana.feilmayr@fpoe.at Abo-Anfrage: 01 512 35 35 29 Druck: Mediaprint Zeitungsdruckereigesellschaft m. b. H. & Co. Kommanditgesellschaft, Wien Die NFZ erscheint wöchentlich. 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Nr. 13 Donnerstag, 26. März 2020 g esundheit frisst oriert wurde, um die „Party“ fortzusetzen KURZ UND BÜNDIG Foto: NFZ Innenpolitik 3 Schutzschirm für Vereine FPÖ-Klubobmann Herbert Kickl (Bild) forderte am Samstag, dass auch Vereine aus dem Corona-Hilfspaket entschädigt werden sollen. Denn während die Kosten weiterlaufen, fallen Einnahmen aus Eintrittskartenverkauf oder Sponsoring weg. Die rund 125.000 Vereine würden einen unschätzbaren Beitrag zur Lebensqualität in Österreich leisten, „auch in der aktuellen Krise, indem die Mitglieder aufeinander schauen und einander unterstützen, wenn jemand auf Hilfe angewiesen ist“, strich Kickl hervor. Tiroler Ski-Ort Ischgl sorgt mehr und mehr für negative Schlagzeilen – her erkannt wurde als in Tirol. Die ÖVP kommt in Erklärungsnotstand. Toleranzfrist für „Pickerl“ FPÖ-Bundesparteiobmann Norbert Hofer (Bild) unterstützt das Ansinnen der Mobilitätsclubs ÖAMTC und ARBÖ, bei abgelaufenem „Pickerl“ für private Pkw und Motorräder eine Toleranzfrist zu gewähren. „Derzeit haben nämlich viele Prüfstellen geschlossen oder können wenige oder gar keine Termine für eine Überprüfung des Fahrzeuges vergeben“, so Hofer. Man wisse derzeit nicht, wie lange die Corona-Krise dauere, viele Menschen seien aber auch jetzt auf ihr Auto angewiesen, um in die Arbeit zu kommen. Foto: NFZ Wochen von bestätigten Corona- Infektionen gewusst und versucht, diese zu vertuschen, um den Winterbetrieb der Hotellerie, Lokale und Seilbahnen nicht zu gefährden – hier wurde bewusst die Gesundheit von vielen Menschen aufs Spiel gesetzt“, kritisierte FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz. Die Abgeordnete Dagmar Belakowitsch fordert Aufklärung und ist überzeugt davon, dass auch Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) über die Interventionen in Kenntnis war. Sie kündigte eine parlamentarische Anfrage an. HINTERGRÜNDE Als „Skigebiet wie kein zweites“ preist sich die Silvretta-Arena in Ischgl an. 45 Seilbahnen, Lifte und sogar Förderbänder sind derzeit gesperrt. In einer Popup-Nachricht informieren Gemeinde, Tourismusverband und Seilbahnen AG über die Lage und fragen (sich): „Kann man in einer solchen Situation alles richtig machen?“ Dahinter auf der Webseite bereits Werbung für den Sommer. Ischgl bietet „Sport. Action. Excitement.“ Foto: Parlamentsdirektion / Thomas Jantzen Aus für Lebendtiertransporte „Lebendtiertransporte stehen derzeit an Österreichs Grenzen oft stunden- oder gar tagelang und warten auf eine Weiterfahrt in das benachbarte Ausland“, kritisierte die freiheitliche Tierschutzsprecherin Bundesrätin Marlies Steiner-Wieser (Bild). In Zeiten der Krise könnten kurze Transportzeiten nicht gewährleistet werden, daher müsse dieses Leid ganz schnell ein Ende finden, forderte Steiner-Wieser ein Verbot von Lebend- Exporten. Zur Versorgungssicherheit in Zeiten der Krise gehöre auch, „dass Lebensmittel vor allem dem heimischen, nationalen Markt zur Verfügung stehen“. SPRUCH DER WOCHE „Wenn eine Kamera den Betrieb sieht, stehen wir Tiroler da wie ein Hottentotten-Staat.“ Foto: Parlamentsdirektion / PHOTO SIMONIS Franz Hörl 9. März 2020 Der ÖVP-Wirtschaftsbündler will den Betreiber der Ischgler Bar, in der sich hunderte Urlauber mit Corona infizierten, zum Zusperren überreden – bis „Gras über die Sache gewachsen ist“. BILD DER WOCHE Corona-Begrüßung in Kroatien: Nicht mehr die Hände reichen, sondern desinfizieren. Gibt‘s vor jedem Geschäft. Foto: NFZ

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